Afroscope - "Decolonize Imagination!" (DE)
Nana Isaac Akwasi Opoku alias Afroscope (*1991) ist ein ghanaischer Künstler und Designer mit Sitz in Tema, Ghana. Seine multimedialen Kunstwerke (NFTs, Augmented Realities, Fotografie- und Videokunst) basieren auf einer Vielfalt von afrikanischen Weltanschauungen und Kosmogonien und laden ein, seine sich in fantastische und surreale Momente ausweitenden Bildwelten mit der eigenen Realität und Existenz in Beziehung zu setzen. Das Yoruba Konzept von Ashé, die Nguni Bantu Philosophie von Ubuntu und die Akan Adinkra Symbologie* haben andauernden Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen und sind in vielen seiner Werke in einer panafrikanischen Re-Interpretation wiederzufinden. Afroscope kreiert afrofuturistische und -surrealistische Kunstwerke, welche die eigene Fantasie anregen und dazu inspirieren alternative Welten im Kopf entstehen zu lassen. Seinen Werken liegen bewusste (Schöpfungs-)Prozesse zugrunde, die sich oft aus unbewussten Quellen der Inspiration und Kreativität speisen. Zu seinen hervorstechenden künstlerischen Inspirationen zählen die kenianische Künstlerin Wangechi Mutu (*1972) und die amerikanische Künstler-Ikone Jean-Michel Basquiat (1960-88), da sie es vermögen durch ihre Werke ein eigenes Verständnis davon zu vermitteln, was es heißt und bedeutet in ihrem jeweiligen Kontext afrikanisch zu sein. Mit seinen Werken möchte Afroscope dazu anregen aus einer panafrikanischen und afrodiasporischen Perspektive mögliche Antworten auf essenzielle Fragen zu finden:
Dazu sammelt und nutzt Afroscope verschiedenste Abbildungen, Fotografien aus dem eigenen Archiv, sowie das Material von befreundeten Künstler*innen und manipuliert diese zu digitalen Collagen mit dem Ergebnis alternativer Bildwelten, spekulativer Realitäten und Traumlandschaften, die afrosurrealistische und afrofuturistische Merkmale aufweisen. Dieser Arbeitsweise ist ein beständiges Reparieren und Recyclen immanent, welches von Achille Mbembe in seiner Beobachtung afrikanischer Orte der Öffentlichkeit ("public spaces") als "practices of care and repair" (Mbembe, Achille und Goldberg, David Theo, 2018:215f.) bezeichnet wird. Afroscope betreibt mit seinen Werken eine künstlerische Praxis des Recycling kollektiver Erinnerung, Gedanken und Ideen; eine Art künstlerische Reparatur und Heilung der kolonialen Vergangenheit afrikanischer Gesellschaften, die in der Gegenwart als erzählte "Geschichte" verankert ist, und unter Afroscopes transformierendem Eingreifen zu neuen transzendenten visuellen Narrativen und einer surrealistisch-futuristischen Vision der Zukunft wird. Seine Kunstwerke können als mögliche Visualisierungen des von Felwine Sarr konzipierten "Afrotopos" (Sarr, Felwine, 2022:131), einem afrikanischen Atopos gelesen werden - ein zukünftiger, aber in der Gegenwart zu gestaltender Ort, der von Afroscope als künstlerisch-politischer Erfahrungsraum genutzt wird. Seine Kunst fungiert in diesem Sinne als Schauplatz, an dem sich kommende Formen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens abzeichnen und Gestalt annehmen können. Die in seinen Werken zusammenfließenden Merkmale des Afrofuturismus und Afrosurrealismus, finden sich nicht nur in Afroscopes Bildsprache, als Wiederverwendung afrikanischer Philosophien, Kosmogonien und Symbolsprache (siehe Endnote) in einem kreativen Dialog mit den Grenzen der Raum-Zeit wieder, sondern auch in seinen gewählten digitalen Medien:
"[Afrofuturistic] art is a creative, aesthetic practice that integrates African diasporic art or African metaphysics with science or technology and seeks to interpret, engage, design, or alter reality for the re-imagination of the past, the contested present, and as a catalyst for the future" (Anderson, Reynaldo 2016:231).
Durch das Verwenden diverser und moderner digitaler Medien betreibt Afroscope eine Art künstlerische Technogenese von afrikanischer Identität in Abgrenzung zu den Idealen des weißen, vermeintlichen Universalismus von Aufklärung, kritischer Theorie, Wissenschaft/Epistemologie und Technologie und kontert immer noch bestehende, westliche stereotype Auffassungen von Afrika, Afrikaner*innen als Bewohner*innen eines zurückgebliebenen und unterentwickelten Kontinents und afrikanischer Kunst als archaisch.
In seiner Intention "Decolonize Imagination" ist Afroscopes Kunst aktivistisch, da sie afrozentrische Visionen und Vorstellungen der Zukunft kommuniziert und Alternativen zu kolonial programmierten Normen sucht. Zu den Konsequenzen einer neo-kolonialen, imperialistischen, kapitalistischen und patriarchalen afrikanischen Realität auf künstlerisch-kreatives Schaffen auf dem Kontinent äußert sich Afroscope wie folgend:
"African people have unfortunately been fed a lot of imagery, a lot of ideas that speak to another [non-African] person's future, another person's idea of how we [Africans] should see ourselves and what we are to learn. [There has been and still is a] flooding of our consciousnesses with foreign media" (Afroscope im Interview mit Jahi).
Vor diesem Hintergrund betont Afroscope die Wichtigkeit eigene, afrozentrische Vorstellungen und Bilder der Zukunft zu entwerfen und diese zugänglich zu machen, sodass sie Teil eines Diskurses über eine panafrikanische Zukunft werden.
"[Afrofuturistic] art is a creative, aesthetic practice that integrates African diasporic art or African metaphysics with science or technology and seeks to interpret, engage, design, or alter reality for the re-imagination of the past, the contested present, and as a catalyst for the future" (Anderson, Reynaldo 2016:231).
Through the use of diverse and modern digital media, Afroscope engages in a kind of artistic techno-genesis of African identity in opposition to the ideals of a white, alleged universalism of enlightenment, critical theory, science/epistemology, and technology, countering still existing Western stereotypical notions of Africa, Africans as inhabitants of a backward and underdeveloped continent, and African art as archaic.
In his intention to "Decolonize Imagination", Afroscope's art is activist in that it communicates Afrocentric visions and imaginations of the future and seeks alternatives to colonially programmed norms. Regarding the consequences of a neo-colonial, imperialist, capitalist, and patriarchal African reality on artistic-creative work on the continent, Afroscope says:
"African people have unfortunately been fed a lot of imagery, a lot of ideas that speak to another [non-African] person's future, another person's idea of how we [Africans] should see ourselves and what we are to learn. [There has been and still is a] flooding of our consciousnesses with foreign media" (Afroscope in an interview with Jahi).
Against this background, Afroscope emphasizes the importance of creating own Afrocentric ideas and images of the future and making them accessible so that they become part of a discourse about a pan-African future.
Literaturangaben/Literature:
Anderson, Reynaldo (2016): "Afrofuturism 2.0 & The Black Speculative Arts Movement: Notes on a Manifesto". Obsidian, Vol. 42 (1-2), S. 228-236. Zuletzt zugegriffen 28.05.2023 unter https://www.jstor.org/stable/44489514.
Bisschoff, Lizelle (2017): "The future is digital: an introduction to African digital arts ". Critical African Studies, Vol. 9 (3), S. 261-267. Zuletzt zugregriffen 28.05. 2023 unter https://doi.org/10.1080/21681392.2017.1376506.
Eburne, Jonathan P. (2022): "Afrosurrealism as a Counterculture of Modernity". In: King, Elliott H. and Susik, Abigail (Hrsg.). Radical Dreams: Surrealism, Counterculture, Resistance, University Park, USA: Penn State University Press, 2022. Zuletzt zugregriffem 29.05.2023 unter https://doi.org/10.1515/9780271091662.
Mbembe, Achille and Goldberg, David Theo (2018): "'The Reason of Unreason': Achille Mbembe and David Theo Goldberg in conversation about Critique of Black Reason". Theory, Culture & Society, Vol. 35 (7-8), S. 205-227. ZUletzt zugregriffen 29.05.2023 unter https://doi.org/10.1177/0263276418800843.
Sarr, Felwine (2022): Afrotopia. Matthes und Seitz: Berlin.
Internetquellen/Internet sources:
Künstler-Website: https://afroscope.com/.
Interview mit Afroscope und dem afroamerikanischen Hip-Hop Artist Jahi: https://www.youtube.com/watch?v=KfuOTFbcWk0.
Artikel von der Website africandigitalart.com: https://www.africandigitalart.com/navigating-the-nft-space-afroscope/.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen